KI in der Architekturvisualisierung: Werkzeug statt Ersatz

Künstliche Intelligenz hat mittlerweile die visuelle Welt stark verändert. Bilder können heute innerhalb von Sekunden generiert, verändert und neu interpretiert werden. Auch in der Architekturvisualisierung eröffnet dies neue Möglichkeiten. 

Gleichzeitig entsteht schnell der Eindruck, ein überzeugendes Architekturbild lasse sich mittlerweile einfach per Knopfdruck erzeugen.

Unsere Erfahrung zeigt etwas anderes.

Wir verstehen KI als Werkzeug innerhalb unseres Prozesses – nicht als Ersatz dafür.  Denn eine professionelle Visualisierung soll nicht einfach ein «schönes» Bild erzeugen. Sie soll einen konkreten Entwurf präzise wiedergeben, architektonische Entscheidungen verständlich machen und gleichzeitig eine glaubwürdige Atmosphäre schaffen.

Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.

Ein schönes Bild ist noch keine Architekturvisualisierung

Generative KI ist gut darin, Bilder oder auch Filme zu produzieren, die oberflächlich und auf den ersten Blick überzeugen. Sie kann Stimmungen erstellen, Materialien interpretieren, Vegetation ergänzen oder in kurzer Zeit unterschiedliche gestalterische Richtungen vorschlagen.

Was sie jedoch nicht kennt, ist die planerische Absicht hinter einem Projekt.

Für eine Architekturvisualisierung sind genau diese Informationen entscheidend: die Geometrie eines Gebäudes, Fassadenraster, Materialübergänge, Anschlüsse, Proportionen, Umgebung, Blickbeziehungen und zahlreiche weitere Details.

Ein Fenster, das im KI-generierten Bild etwas breiter wird, mag visuell kaum auffallen. Für das dargestellte Architekturprojekt ist es trotzdem falsch.

Dasselbe gilt für Fassadenelemente, Geschosshöhen, Materialien, Geländer, Landschaftselemente oder konstruktive Details. Eine KI optimiert ein Bild in erster Linie auf visuelle Plausibilität. Wir dagegen visualisieren einen konkreten Entwurf.

Kontrolle ist ein wesentlicher Teil unserer Arbeit

Konventionelle 3D-Visualisierung bietet etwas, das bei generativen Verfahren nur begrenzt vorhanden ist: Kontrolle.

Wir definieren Kamera, Geometrie, Materialien, Licht und Umgebung ganz gezielt. Änderungen können nachvollziehbar umgesetzt werden. Ein Material bleibt dasselbe Material. Ein Fenster bleibt an seiner vorgesehenen Position. Eine Kameraperspektive lässt sich reproduzieren. Mehrere Bilder eines Projekts können konsistent miteinander entwickelt werden.

Gerade bei Architekturprojekten mit mehreren Planungsständen ist diese Kontrolle entscheidend.

Wenn beispielsweise eine Fassade angepasst wird, ändern wir gezielt die entsprechende Geometrie. Wir müssen nicht hoffen, dass eine neue Bildgeneration den Rest des Gebäudes unverändert lässt.

Diese Präzision ist vielleicht weniger spektakulär als ein Bild, das innerhalb weniger Sekunden entsteht. Für eine zuverlässige Kommunikation von Architektur ist sie jedoch wesentlich.

Wo KI für uns sinnvoll ist

Das bedeutet nicht, dass wir auf künstliche Intelligenz verzichten. Richtig eingesetzt kann sie ein leistungsfähiges Werkzeug sein.

Wir nutzen neue Technologien dort, wo sie unseren Prozess sinnvoll ergänzen und uns mehr gestalterischen Spielraum geben.

Konzept und Inspiration

In frühen Projektphasen kann KI dabei helfen, unterschiedliche Atmosphären und visuelle Richtungen zu untersuchen.

Wie könnte eine wärmere Materialisierung wirken? Welche Art von Vegetation unterstützt den Charakter des Projekts? Wie verändert eine bestimmte Lichtstimmung die Wahrnehmung eines Raumes?

Solche experimentellen Bilder müssen noch nicht jedes architektonische Detail korrekt wiedergeben. Hier kann die Geschwindigkeit generativer Systeme von Vorteil sein.

Varianten und Art Direction

Auch bei der Entwicklung einer Bildsprache kann KI interessant sein. Sie ermöglicht es, visuelle Ideen schnell gegenüberzustellen und gestalterische Richtungen zu diskutieren, bevor diese präzise ausgearbeitet werden.

Die Auswahl und Bewertung dieser Varianten bleibt allerdings eine gestalterische Aufgabe.

Einzelne Elemente und Postproduktion

Je nach Projekt kann KI auch bei einzelnen Arbeitsschritten unterstützen – beispielsweise bei atmosphärischen Elementen, Hintergrundbereichen oder bestimmten Aufgaben der Postproduktion.

Entscheidend ist dabei, dass wir das Werkzeug kontrollieren und nicht das Werkzeug bestimmt, wie die Architektur aussieht.

Wo KI für uns nicht die richtige Lösung ist

Es gibt ebenso Bereiche, in denen wir bewusst auf einen kontrollierten, konventionellen Workflow setzen.

Wenn Architektur exakt dargestellt werden muss

Je näher ein Projekt an der realen Planung liegt, desto wichtiger wird Präzision.

Für Verkaufsvisualisierungen, Wettbewerbsabgaben, Baueingaben, Projektpräsentationen oder andere Darstellungen eines konkreten Entwurfs darf nicht frei interpretiert werden. Hier sind sauber aufgebaute 3D-Modelle und kontrollierbare Renderprozesse weiterhin die zuverlässigere Grundlage.

Gerade bei der Vermarktung von Verkaufsobjekten sollte der Endzustand so realistisch wie möglich gezeigt werden. Anderenfalls kann es passieren, dass Käufer sich betrogen fühlen und im schlimmsten Fall ein kostenaufwendiger Rechtsstreit entsteht. 

Wenn mehrere Bilder konsistent sein müssen

Ein Projekt besteht selten nur aus einem Bild.

Aussenansichten, Innenräume, unterschiedliche Perspektiven und verschiedene Tageszeiten sollen dieselbe Architektur und dieselben Materialien zeigen.

Diese Konsistenz zuverlässig über eine gesamte Bildserie zu gewährleisten, gehört zu den grossen Stärken eines strukturierten 3D-Workflows.

Wenn gezielte Korrekturen notwendig sind

Architekturvisualisierung ist ein iterativer Prozess.

„Das Geländer zehn Zentimeter höher.“
„Diese Fassade neu in Naturstein.“
„Das Fenster im zweiten Obergeschoss entfernen.“
„Die Kamera etwas weiter nach links.“

Solche Anpassungen verlangen Kontrolle.

Ein professioneller Workflow ermöglicht es, genau das gewünschte Element zu ändern, ohne gleichzeitig ungewollt andere Teile des Bildes neu zu interpretieren.

Wenn Verlässlichkeit wichtiger ist als Geschwindigkeit

KI kann sehr schnell Ergebnisse produzieren. 

Schnelligkeit allein ist jedoch nicht das Ziel unserer Arbeit.

Ein Bild muss richtig, nachvollziehbar und reproduzierbar sein. Deshalb entscheiden wir bei jedem Projekt bewusst, welche Technologie für welchen Arbeitsschritt sinnvoll ist.

Die eigentliche Leistung liegt nicht im Rendering

Die Werkzeuge der Architekturvisualisierung haben sich schon immer verändert.

Früher wurden Perspektiven von Hand gezeichnet. Danach kamen CAD, 3D-Modellierung, Raytracing, GPU-Rendering und Echtzeit-Engines. Heute kommt künstliche Intelligenz hinzu.

Was dadurch nicht verschwindet, ist die eigentliche gestalterische Arbeit.

Welche Perspektive erzählt das Projekt am besten? Wie soll sich ein Raum anfühlen? Welche Lichtstimmung unterstützt die Architektur? Wie viel Leben braucht eine Szene? Was soll im Mittelpunkt stehen – und was bewusst nicht?

Ein gutes Architekturbild entsteht aus vielen solchen Entscheidungen. Technologie hilft uns dabei, sie umzusetzen. Sie trifft sie aber nicht für uns.

Deshalb sehen wir KI nicht als Konkurrenz zu unserer Arbeit. Sie erweitert unseren Werkzeugkasten.

Der Unterschied liegt in der Verantwortung für das Bild

Als Visualisierer übernehmen wir Verantwortung für das Ergebnis.

Wir beurteilen Architektur, Komposition, Licht, Materialität und Atmosphäre als Ganzes. Wir erkennen, wenn etwas zwar spektakulär aussieht, aber dem Projekt nicht gerecht wird. Und wir können erklären, weshalb wir bestimmte Entscheidungen getroffen haben.

Genau diese Kombination aus technischem Verständnis und gestalterischer Erfahrung macht professionelle Architekturvisualisierung aus.

Unser Ziel ist nicht, möglichst viel oder möglichst wenig KI einzusetzen. 

Unser Ziel ist das bestmögliche Ergebnis für das jeweilige Projekt.

Manchmal kann KI dazu beitragen. Manchmal ist ein klassischer Workflow die bessere Lösung. Und häufig liegt die Stärke in einer sorgfältig kontrollierten Kombination verschiedener Werkzeuge.

Und was passiert nach der Übergabe mit unseren Bildern?

Mit neuen KI-Werkzeugen entsteht noch eine weitere Frage, die uns wichtig ist: Was darf mit einer fertigen Visualisierung gemacht werden?

Ein von uns erstelltes Bild ist nicht einfach eine beliebig weiterverwendbare Ausgangsdatei. Wie andere kreative Arbeiten kann auch eine Architekturvisualisierung urheberrechtlich geschützt sein. Nach Schweizer Urheberrecht entscheidet grundsätzlich der Rechteinhaber darüber, ob und wie ein geschütztes Werk vervielfältigt, veröffentlicht oder bearbeitet werden darf. Das Bearbeitungsrecht umfasst insbesondere die Entscheidung darüber, ob und wie ein Werk verändert oder als Grundlage für ein neues Werk verwendet werden darf.

Mit der Übergabe unserer Visualisierungen erhalten unsere Kunden die für das jeweilige Projekt vereinbarten Nutzungsrechte. Daraus entsteht jedoch nicht automatisch ein uneingeschränktes Recht, die Bilder zu verändern oder durch Dritte verändern zu lassen. Welche Rechte übertragen werden, richtet sich nach der jeweiligen Vereinbarung.

Das betrifft auch die Bearbeitung mit generativer KI.

Ein fertiges Rendering in ein KI-System hochzuladen, Teile davon generativ zu ersetzen, die Architektur zu verändern, neue Bildvarianten daraus zu erzeugen oder das Bild als Grundlage für weitere KI-generierte Inhalte zu verwenden, kann urheberrechtlich relevante Vervielfältigungs- und Bearbeitungshandlungen beinhalten. Solche Verwendungen sind deshalb nicht automatisch von einer gewöhnlichen Nutzungserlaubnis für das fertige Bild umfasst. Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum weist grundsätzlich darauf hin, dass für die Verwendung geschützter Werke eine entsprechende Erlaubnis beziehungsweise Lizenz erforderlich ist, sofern keine gesetzliche Ausnahme greift.

Das ist für uns nicht nur eine juristische Frage.

Wir möchten auch sicherstellen, dass Bilder, die mit unserem Namen und unserer Arbeit verbunden werden, weiterhin die Qualität und die architektonische Aussage besitzen, für die wir sie geschaffen haben.

Wenn ein von uns sorgfältig entwickeltes Rendering nachträglich durch eine KI verändert wird, können Architektur, Materialien, Umgebung und Bildaussage erheblich verändert werden. Das daraus entstehende Bild entspricht möglicherweise weder unserem gestalterischen Anspruch noch dem tatsächlich geplanten Projekt.

Deshalb gilt für unsere Arbeiten: Eine Weiterbearbeitung unserer Visualisierungen mit KI ist ohne unsere vorgängige Zustimmung nicht zulässig.

Gerne entwickeln wir stattdessen gemeinsam mit unseren Kunden Varianten oder Anpassungen. Denn wenn sich ein Projekt verändert, soll sich auch seine Visualisierung weiterentwickeln – kontrolliert, nachvollziehbar und mit derselben gestalterischen Sorgfalt wie das Original.

Fazit: Neue Werkzeuge, derselbe Anspruch

Künstliche Intelligenz wird Teil der Architekturvisualisierung bleiben. Und das ist gut so.

Sie eröffnet neue Möglichkeiten, beschleunigt bestimmte Prozesse und kann uns dabei helfen, Ideen zu untersuchen, die vorher deutlich mehr Aufwand erfordert hätten.

Aber das Werkzeug allein macht noch kein gutes Bild.

Architekturvisualisierung bedeutet für uns, einen Entwurf zu verstehen, ihn präzise zu übersetzen und daraus ein Bild mit einer klaren Aussage zu entwickeln.

Ob wir dafür 3D-Modelling, Rendering, Fotografie, Bildbearbeitung oder künstliche Intelligenz einsetzen, ist letztlich zweitrangig.

Wir nutzen die Technologie für unsere Arbeit – nicht unsere Arbeit für die Technologie.

 

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