Dialog Tiefbau #2 Der Prozess der 3D-Visualisierung
Von der Idee zur Realität
Nachdem wir im letzten Beitrag die vielfältigen Vorteile des Digitalen Zwillings beleuchtet haben, widmen wir uns heute dem Herzstück jeder erfolgreichen 3D-Visualisierung: dem detaillierten Prozess. Eine fotorealistische Visualisierung ist das Ergebnis sorgfältiger Planung und präziser Ausführung, die in mehreren Schritten erfolgt.
1. Vorbereitung: Der Grundstein für den Erfolg
Die Qualität einer Visualisierung beginnt lange vor dem ersten Render. Eine frühzeitige und strategische Vorbereitung ist entscheidend:
Frühzeitige Einbindung: Binden Sie das Visualisierungsbüro so früh wie möglich in den Projektprozess ein. Dies ermöglicht nicht nur eine effiziente Planung der Visualisierungsarbeiten, sondern auch die Nutzung des 3D-Modells für die Projektentwicklung und -kontrolle. Es schafft den nötigen Zeitrahmen für Modellaufbau, Korrekturrunden, Fotografie und Bildmontage.
Direkter Kontakt: Stellen Sie einen direkten Draht zwischen dem Visualisierer und der Kommunikationsagentur her. Dies verhindert Doppelspurigkeiten und stellt sicher, dass alle Beteiligten die gleiche „Sprache“ sprechen und die Kommunikationsziele optimal unterstützt werden. Beispielsweise können bei der Vor-Ort-Fotografie gleichzeitig Impressionen und weiteres benötigtes Bildmaterial für die Kommunikation gesammelt werden.
Grobkonzept und Zieldefinition: Klären Sie frühzeitig, was genau gezeigt werden soll und welche Botschaft vermittelt werden muss. Werden alle Interessensgruppen abgeholt? Wie viele Visualisierungen werden benötigt? Diese Fragen sollten in Abstimmung mit der Kommunikationsstrategie beantwortet werden.
Definition des Visualisierungsstils: Der Stil muss zum Projektstadium passen. Ein illustrativer Stil (z.B. Strichzeichnung, Collage) eignet sich hervorragend für Vorprojekte oder Studien, da er signalisiert, dass das Projekt noch nicht final ist und Raum für Diskussionen lässt. Er nimmt emotionalen Druck heraus. Ein realistischer Stil hingegen ist unverzichtbar für konkrete Vorschläge, die zur Abstimmung stehen, da er Vertrauen in die Endlösung schafft und signalisiert: „Das ist es, was Sie bekommen werden.“ Hier empfiehlt sich oft ein Vorher-Nachher-Vergleich.
2. Modellaufbau: Der Digitale Zwilling entsteht
Für den Aufbau des digitalen Zwillings, also des virtuellen 3D-Modells, werden alle Unterlagen benötigt, die einen Einfluss auf die Optik des Projektes haben. Dazu gehören:
Situationspläne, Quer- und Längsprofile
Signalisations- und Markierungspläne
Landschaftspflegerische Begleitpläne
Dreiecksvermaschungen/DGM der projektierten Strassenoberfläche
Angaben zu Randsteinen, Leuchttypen/Kandelabern und Möblierung (Sitzbänke, Brunnen, Bushäuschen)
Pläne von Kunstbauten (ggf. als BIM/IFC-Modell)
Grobe Vorstellung von Anzahl und Standort der Visualisierungen
Eine unverzichtbare Grundlage sind dabei Geodaten, wie beispielsweise die Swisstopo-Daten des Bundesamtes für Landestopografie. Sie ermöglichen die Fixierung der Kamerastandorte und die realistische Darstellung der Umgebung, was für ein georeferenziertes 3D-Modell unerlässlich ist. Ohne diesen Kontext würde das Projekt im „luftleeren Raum“ erscheinen und seine Wirkung verlieren.
3. Korrekturrunden: Präzision durch Iteration
Nach dem Aufbau des 3D-Modells werden virtuelle Kameras platziert und erste Renderings erstellt. Rendern bezeichnet den komplexen Berechnungsprozess von Licht, Schatten, Reflexionen und Refraktionen, der das Modell zum Leben erweckt.
Diese Renderings werden in das Korrektur-Tool Review-Studio geladen, deren Links an das Projektteam verteilt werden. Die Vorteile sind immens: Jedes Teammitglied kann Anmerkungen hinterlassen und die Kommentare der anderen sehen, was besonders bei grossen Projektteams die Kommunikation und Abstimmung erheblich vereinfacht. Nach der Sammlung der Kommentare empfiehlt sich eine Teamsitzung, um Unklarheiten zu klären, das weitere Vorgehen zu definieren und die Kamerastandorte final zu fixieren.
Die Definition der Kamerastandorte ist dabei keine zufällige, sondern eine strategische Entscheidung, die wir im nächsten Beitrag genauer beleuchten werden.